News

Ukrainische Städte auf den Spuren litauischer Erfahrungen im Bereich Gebäudesanierung und OSS-Modelle

1. August 2025

Vilnius & Birštonas, Litauen – 22. bis 24. Juli 2025. Vertreterinnen und Vertreter der ukrainischen Städte Lemberg, Mykolajiw und Krywyj Rih besuchten Litauen, um sich über bewährte Verfahren bei der Modernisierung von Mehrfamilienhäusern und die Umsetzung von One-Stop-Shop-Modellen (OSS) für energieeffiziente Sanierungen zu informieren. Der Besuch wurde im Rahmen des RenoWave-Projekts organisiert, das vom Interreg-Programm der Europäischen Union unterstützt wird, sowie des FELICITY II-Projekts, das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH in Zusammenarbeit mit der Europäischen Investitionsbank und mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) durchgeführt wird.

Obwohl die Ukraine derzeit aufgrund des Krieges vor enormen Herausforderungen steht, hat sie wie Litauen einen riesigen Bestand an Wohngebäuden aus der Sowjetzeit „geerbt“, in denen der Großteil der städtischen Bevölkerung lebt. Vertreter/innen der ukrainischen Delegation betonten, dass diese überwiegend in der Sowjetzeit erbauten Wohnblocks trotz des andauernden Krieges und bereits zuvor dringender Aufmerksamkeit bedürfen. Die Sanierung wird nicht nur für den Wiederaufbau zerstörter Gebäude, sondern auch für die Schaffung einer nachhaltigen und energieeffizienten Zukunft für die Ukraine immer wichtiger.

Vor diesem Hintergrund wurde der Delegation die Arbeit von Atnaujinkime miestą („Lasst uns die Stadt renovieren”) vorgestellt, einer kommunalen Einrichtung, die Renovierungsprojekte unter Verwendung eines umfassenden OSS-Ansatzes koordiniert.

Die Organisation hat bereits Investitionen in Höhe von über 250 Millionen Euro akquiriert und unterstützt die Bewohner/innen während des gesamten Renovierungsprozesses.

„Unsere wichtigsten Erfolgsfaktoren sind die starke Unterstützung durch die Stadtverwaltung von Vilnius und ein professionelles Team, das den Bewohnerinnen und Bewohnern hilft, Renovierungsentscheidungen zu treffen und den gesamten Prozess zu verwalten“, hob Eglė Randytė, Leiterin von Atnaujinkime miestą, hervor. 

Die Delegation besichtigte renovierte Gebäude im Stadtteil Žirmūnai sowie die Ambulanzklinik Antakalnis und gewann Einblicke in die Modernisierung von Wohn- und öffentlichen Gebäuden. Der Besuch umfasste auch die Besichtigung des Heizkraftwerks Vilnius, das Litauens Kreislaufwirtschaftsansatz für Fernwärme demonstriert.

Der letzte Tag des Besuchs fand in Birštonas statt, einem Ferienort, der sich zu einem nationalen Vorreiter bei der Modernisierung von Mehrfamilienhäusern entwickelt hat. Über 63 Prozent der Mehrfamilienhäuser der Stadt wurden bereits renoviert – eine der höchsten Quoten in Litauen.

„Wir glauben, dass der Schlüssel zu einer erfolgreichen Renovierung in einem kontinuierlichen Dialog mit den Bewohnerinnen und Bewohnern und einem klaren, transparenten Prozess liegt“, erläuterte Edvardas Citvaras, stellvertretender Bürgermeister von Birštonas. 

Die ukrainische Delegation informierte sich über den wegweisenden Ansatz von Birštonas bei der Sanierung von Stadtvierteln und das lokale OSS-Modell, das den Bewohnerinnen und Bewohnern technische, rechtliche und finanzielle Beratung bietet.

Im Anschluss an die Besichtigungen vor Ort nahm die ukrainische Delegation an einer Workshop-Sitzung in Vilnius teil. Sie hörte einen Vortrag von Valius Serbenta, einem führenden litauischen Energieeffizienz-Experten, erhielt einen Überblick über das FELICITY II-Projekt und die aktuelle Arbeit der Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO e.V.) in den Projektstädten Mykolajiw und Krywyj Rih. Der Workshop bot Raum für Reflexion und Austausch. Die ukrainischen Teilnehmer/innen tauschten ihre Eindrücke aus, diskutierten die Anwendbarkeit litauischer Modelle in ihren eigenen Städten und skizzierten die nächsten Schritte für die Anpassung von OSS-Ansätzen und integrierten Sanierungsstrategien in der Ukraine.

Trotz des andauernden Krieges arbeiten ukrainische Kommunen aktiv an der Entwicklung moderner, energieeffizienter Ansätze für die Sanierung von Wohngebäuden. Die litauischen Erfahrungen bieten wertvolle Erkenntnisse in den Bereichen Governance, Finanzierung und Bürgerbeteiligung. Die Studienreise stellt einen wichtigen Schritt dar, um die Ukraine an europäische Energieeffizienzstandards heranzuführen und neue Modelle für den Wiederaufbau von Wohngebäuden nach dem Krieg zu entwickeln, bei denen Nachhaltigkeit, Bezahlbarkeit und Bürgerbeteiligung im Mittelpunkt stehen.

„Diese Studienreise hat uns einen umfassenden Überblick darüber verschafft, wie Litauen die Herausforderung der Modernisierung seines Wohnungsbestands angegangen ist. Von der stadtweiten Koordinierung der Renovierungsarbeiten in Vilnius bis hin zum beeindruckenden Ansatz der Stadtteilrenovierung in Birštonas haben wir gesehen, wie eine starke kommunale Führung, die Einbindung der Bewohner/innen und klare Verfahren zu echten Ergebnissen führen können. Die Diskussionen haben uns dabei geholfen, darüber nachzudenken, wie diese Ansätze an die Gegebenheiten in der Ukraine angepasst werden könnten – nicht nur für den Wiederaufbau, sondern auch für einen besseren Neubau“, fasste Serhii Korneev, stellvertretender Bürgermeister des Stadtrats von Mykolajiw, die Eindrücke der Gruppe aus Litauen zusammen.

Foto: Die Teilnehmer/innen der Studienreise. Bildnachweis: Saulius Ziura

Foto: Edvardas Citvaras, stellvertretender Bürgermeister von Birštonas. Bildnachweis: Andrii Kirchev

Foto: Eglė Randytė, Leiterin von Atnaujinkime miestą. Bildnachweis: Saulius Ziura

Foto: Flaggen von Litauen und Birstonas. Bildnachweis: Andrii Kirchev

Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an:

Knut Höller

Geschäftsführendes Vorstandsmitglied & Projektleiter
Nukus und Kokshetau auf dem Weg in eine energieeffiziente Zukunft

Nukus und Kokshetau auf dem Weg in eine energieeffiziente Zukunft

Am 24. und 25. März 2025 startete in Nukus (Republik Karakalpakstan in Usbekistan) die nächste Phase von Aktivitäten im Rahmen des Pilotprojekts FELICITY II zur energetischen Modernisierung von Mehrfamilienhäusern. Das Projekt wird mit finanzieller Unterstützung des...